Lisa Krusche

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„Ich glaube, eigentlich ist alles wie immer“, notierte die junge deutsche Autorin Lisa Krusche in einem Brief auf der Website Hundertvierzehn, dem literarischen Online-Magazins des S. Fischer Verlags:

„Ich weiß, dass das völlig undifferenziert ist. Aber es stimmt trotzdem. Es ist alles wie immer, nur extremer, intensiver, hochgetunter, offensichtlicher. Dass Frauen die meiste Carearbeit leisten und diese Arbeit schlecht entlohnt wird: war schon vorher so. Probleme im Gesundheitssystem: war schon vorher so. Verachtung der Menschenrechte seitens der EU an den Außengrenzen: war schon vorher so. Die, die arm sind, werden jetzt noch ärmer. Die, die reich sind mitunter noch reicher. Stell dir folgendes Meme vor: Jeff Bezos mit süffisantem Lächeln, Caption `Wenn dein Vermögen gerade um 23,6 Milliarden Dollar gestiegen ist.´“.

Auch die dritte Ausgabe von WORD, dem Magazin für Literatur, Kunst und gesellschaftspolitische Themen, nahm das Thema „Care“ in den Blick: "Wie fürsorglich ist unsere Gesellschaft? Wer trägt für wen Fürsorge? Wo finden und wo vermissen wir Care? Im Frieden oder in der Not, im Rollstuhl oder im Glückskeks, in der Arbeit oder in der Liebe? Was ist uns wichtig? Wofür setzen wir uns ein? Und immer wieder zurück zur Literatur und den anderen Künsten: Welche Antworten finden wir? Und welche neuen Fragen ergeben sich?".

Lisa Krusche

Geboren 1990, studierte Literarisches Schreiben an der Universität Hildesheim sowie Kunstwissenschaft an der HBK Braunschweig. Sie arbeitet als freie Autorin und Journalistin. 2019 war sie Stipendiatin beim Klagenfurter Literaturkurs und Finalistin beim 27. open mike. Ihr Text „Heul doch“ wurde mit dem Radio Essaypreis der Literaturzeitschrift Edit ausgezeichnet.

"Heul doch!" ist ein Plädoyer für "radical softness", für den Mut zu Tränen. "Ich weine drinnen / ich weine draußen / ich weine im Regen / ich weine in der Sonne / ich weine in der Öffentlichkeit / ich weine immer, wann ich will / ich weine im Zug im Bus in der City / no shame."

Im Jahr 2019 war es für die Autorin noch leichter nach Österreich zu reisen, nach Klagenfurt, wo sie Stipendiatin des 23. Klagenfurter Literaturkurses war. Das Foto zeigt Krusche bei den Lesungen der Stipendiat*innen (Foto: Günther Berger).

Lisa Krusche, D - Bachmannpreis

Und nach Hall in Tirol. Das Kulturlabor Stromboli in Hall in Tirol feierte 2019 30 Jahre seines Bestehens unter dem Titel „#kon.serviert“ und schrieb im Zuge dessen erstmals ein Stipendium für eine/n Stadtschreiber/in aus. Gewonnen hat den Wettbewerb Lisa Krusche, „mit einer literarischen Instagram-Wunderkammer, in der sie ihre Eindrücke aus Hall in einer Art Stadtalbum mit Fotos und ebenso poetischen wie klugen und unterhaltsamen Texten“ sammelte. Die Journalistin und Lektorin Esther Pirchner führte mit Krusche ein Gespräch über ihren Aufenthalt in Hall.

Zum Abschluss eines erfolgreichen Jahres war Lisa Krusche 2019 auch Finalistin beim 27. open mike Wettbewerb der Literaturwerkstatt Berlin.
 

Deutschlandfunk-Preis beim Bachmannpreis 2020

Krusche las 2020 bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt auf Einladung von Klaus Kastberger den Text „Für bestimmte Welten kämpfen und gegen andere“ – eine dystopische Welt und Bilder eines Computerspiels, die Lob aber auch Kritik erntete. Die Autorin wurde mit dem Deutschlandfunkpreis ausgezeichnet: Bachmannpreis für Helga Schubert - Bachmannpreis