Juditha Lehmkuhl

Kreatives Schreiben in Klagenfurt - Juditha Lehmkuhl

2001 in Deutschland (im Bundesland Nordrhein-Westfalen / NRW) geboren, zog nach der Schule aus der Kleinstadt nach Berlin. In dem Bachelorstudiengang Kreatives Schreiben und Texten stürzte sie sich in dasjenige, das sie schon immer am meisten fasziniert hat: die Kunst der Worte. Neben dem Studium wirkte sie an einem Schreibforschungsprojekt mit (Projektleiterin: Prof. Dr. Katrin Girgensohn), gestaltete als Lektorin und Redakteurin den studiengangeigenen Blog, hospitierte im Lektorat des Suhrkamp Verlags und arbeitete als studentische Schreibberaterin am Schreibzentrum der HWR Berlin (Hochschule für Wirtschaft und Recht). Nun ist sie nach Klagenfurt gezogen, um im Masterstudiengang Kreatives Schreiben und Schreibkulturen ihren Weg in der Welt der Worte fortzusetzen.

 

Wo ist die Liebe, die mir dieses Gefühl wegliebt, die Liebe, die mir 
die Angst vor Liebe wegliebt und dem, was sie mir stiehlt oder 
gestohlen hat, manchmal Lebensmut und dann die Poesie, die Flügel 
auf meinem Rücken, verklebt, verhakt, die nach Fliegen aussahen 
aber mich straucheln ließen, ich ging nicht mehr weg, weil ich mit 
ihnen nicht rennen konnte, dann die Angst, sie zu verlieren, als ich 
sie schließlich rausgerissen hatte, zurückgelassen auf dem Glasboden 
rot verschmiert, wie sie dort noch immer kleben und Himmel 
suggerieren, wo Tatsachen leben, ich tu doch alles nur, um
klarzukommen, und ich war so blöd und glaubte an Besserung, an 
das Märchen von der Zeit, als Engel noch fliegen konnten, jetzt krieche 
ich, um nicht hinzurennen, sie mir wieder anzunähen, denn dann 
liebte ich noch zehn Jahre und ginge verloren und die Poesie und der 
Lebensmut, wo ist die Erlösung, wer schnürt meine Flügel am Boden an?
 
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Du injizierst mit Aug und Händen dein Begehren
Die Spritze setzt du an, stößt schwach in meine Haut
Der Spritzeninhalt weiß, zähflüssig angestaut
Doch mein Gefallen dran kann ich dir wohl verwehren 
So mannesgroß dein Stolz, dass du und ich verkehren
In Spritzensumpf gefalln, ich weiß wie eine Braut
Mit Hochdruckstrahl gefräst bin ich wie Schnee, der taut 
Die nächste Dosis folgt, wer will hier wen verzehren?
Mein Hass wird injiziert mit Händen und mit Füßen
Die Hand wird Schweigen bring, der Fuß dein Schätzchen grüßen
Zerrissnem Beutel gleich tropfts diesmal aus dem Mund 
Hast Weiß mit Rot bemalt, mein schlafendes Schneewittchen
Mein Leib schon abgewandt: für dich bloß Fleisch und Flittchen 
Doch ich, Herr Doktor, werd auch ohne Sie gesund

 

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Wir sind ein bremsenloses Grenzenaustesten
Stellen uns in Steinschleudern und ziehen dran
Gucken, wer weiter fliegt
Und wer als erstes abprallt 
Wir spielen Angry Birds mit Worten 
Rammen längst erbaute Selbstschutzmauern 
Wenn Putzkörnchen hinabrieseln 
Schreien wir uns an, um nichts zu hörn
Wir packen schamscheulos an Körper
Zerren an Zäunen, Wänden, Hecken
Die Motorsäge schnurrt in meinen Händen
Wenn ich fertig bin, schmeiße ich sie dir zu
Und wenn alles abgerissen ist
Sind wir nur noch Menschen
Splitternacktheit trifft auf Trümmer 
Und wir klettern, bis wir uns nicht mehr sehen müssen